Berlin Metropol Orchestra

Die neue Deutsche Jazz-Welle

Wenn der Jazz wieder groovt, wenn die Salsa nach der Knef klingt, sich der Soul in deutscher Sprache durch den Äther swingt und die Posaune dem türkischen Sprechgesang Paul-Linkisch zur Seite steht, dann sind wir wohl im neuen Berlin gelandet. Alfred Mehnert liegt völlig richtig, wenn er sein Projekt Berlin Metropol Orchestra nennt, denn diese Gruppe von Musikerinnen und Musikern aus aller Herren Länder verkörpert das, was diese Stadt so gerne wäre, und eigentlich doch schon längst ist: Metropole.
Dabei sind Mehnert und seine Musiker  nun ganz und gar nicht nostalgisch. Sie sind, obgleich sich im Repertoire des Orchesters, neben vielen eigenen Kompositionen, Klassiker von Duke Ellington bis Nat King Cole finden, im Jetzt zu Hause, an der Frontlinie einer neuen Kultur. Da singen eine Kubanerin und ein Angolaner auf Deutsch, eine frühere Rapperin mit türkischen Wurzeln bringt den Hip Hop der Straße mit und sieht dabei beinahe so aus, wie Billie Holiday, ein kanadischer Geiger beschwört k.u.k- Schmäh, der Posaunist bringt Können und Erfahrung aus der noch heute schmerzlich vermissten RIAS-Big Band mit, eine Rhythmus Sektion aus gut abgehangenen Jazz-Cracks, angeführt von einem deutsch-kroatischen Pianisten, lässt federnde Beats laufen, die die Tänzer im unklaren lassen, was das eigentlich ist, ihm und ihr aber keine andere Wahl lassen als, den Körper zu bewegen. Es sind dabei nicht nur junge Körper, die dem Groove des Orchesters verfallen – seine Musik ist tatsächlich Generationen übergreifend.
Was nun dieses Metropol Orchestra auszeichnet, es zu einem Klangkörper neuen Typs macht, ist neben der – bei dieser Besetzung eigentlich selbstverständlichen – Spielkunst der Akteure, die Tatsache, dass hier kein undefinierbarer Multikulti-Sound entsteht, der die Herkunft der Musikerinnen und Musiker exotistisch ausstellt, sondern, dass in ihm die individuellen Klangfarben zu einer neuen eigen-und einzigartigen Musik werden.

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